Montag, 22. Januar 2018

Notbegabung - Das Mass an Improvisation


Angestossen durch die beiden Bücher von Andrea Brackmann zum Thema Hochbegabung und meiner eigenen Betroffenheit erlebte ich in den vergangenen zehn Jahren folgende Phasen

  1. Phase: Hochbegabung selber erfahren, entdecken, klären, etc. - Dauer: ca. 6 Jahre
  2. Phase: Aus der Betroffenheit in die Lösung. Dauer: ca. ab dem 3. Jahr bis heute
  3. Phase: Wahrnehmung und Klärung der Normalos: ca. ab dem 5. Jahr bis heute
  4. Phase: Weitere Zentrierung auf Stärkung der Gebräuchlichkeit von HB: seit ca. 4 Jahren
  5. Phase: Zurückstellen der Aspekte der reinen Hochsensibilität: seit ca. 2 Jahren
  6. Phase: (neu) Notbegabung: Es gibt Begabungen ohne überdurchschnnittliche Intelligenz


Der Gedanke hinter dem Wort Notbegabung ist nicht mehr an die Hochbegabung geknüpft. 


Tarnendes Verhalten - Camouflage

Es ist vielmehr ein ältestes Thema aller Wesen, von den Tieren her bis in unsere Tage als Mensch: Camouflage! - Sich aus Gründen des Überlebens zu maskieren, zu überdecken, zu schminken und stylen. Sich zu tarnen und sich erfolgreicher darzustellen, als es allfällige Schwächen zeigen würden.


Das geht hin bis

  • sich was vormachen
  • mehr Schein als Sein
  • Show must go on
  • sich über alle Massen anpassen
  • sich verstellen
  • Kaspern
  • Verdrängen
  • sich in Illusionen flüchten
  • zu Ersatzhandlungen gelangen
  • sich schlecht fühlen
  • beschönigen
  • sich im Styling verlieren
  • sich für Schönheit operieren lassen
  • etc.



Der IST-Zustand liegt im Minus vom Zielzustand, dem SOLL. Die Frage ist nun, WIE wird die Differenz überwunden?


Während Hochbegabte eine hohe Sozialkompetenz entwickeln müssen, um Aspekte aus einer überdurchschnittlichen Intelligenz zu beachten, ...

... ist die Standardsituation Notbegabter und Resilienzgeprägter die, eben nicht über genügend Mittel zur Lösung ihres Lebens und all der Aufgaben zu verfügen. Es "fehlt" etwas, im schlimmsten Fall "fehlt es an Vielem". Die Situation weist einen Mangel an Wissen, Erfahrung, Ressourcen und Unterstützung - kann auch Liebe und Zuwendung sein - aus.

Bildlich gesagt: Die Arme sind zu kurz, man ist zu klein, um an die lockenden Früchte zu gelangen. Und nun wird man erfinderisch: man fängt an zu hüpfen, man schüttelt am Baum, man wirft Schuhe, Steine oder Taschen hoch, auf das Früchte runterfallen sollen. Man fängt an zu klettern. Man stemmt den Kollegen auf die Schultern oder stellt sich wo drauf. Man sucht nach tausend Tricks, um an die Früchte zu gelangen. 

Jetzt gilt zu unterscheiden: 
  • Ich kann das "mal machen", d.h. ab und zu. Kein Problem. Ansonsten löse ich meine Probleme souverän mit den mir zur Verfügung stehenden Mitteln. Ich weiss, wie es geht. 
  • Oder ich habe so weit ungenügende Mittel, dass ich sozusagen in "dauerndes Improvisieren" gerate. 
  • Nach einigen Jahren "dauerndem Improvisierens", also Techniken des Überbrückens, kann ich a) gesunden oder b) mich - und alle anderen - mehr und mehr "gekonnt belügen / betrügen / bescheissen" und so mehr und mehr in die Falle dauernder Eskapaden, Dramen oder sogar der schrulligen bis entrückten Fantasie abgleiten. 
Wir haben bei der Notbegabung eine sagenhaft weite Spannweite an Karrieren und eine sozusagen Sprengung des Begriffs 'Erfolg'. So kann heute einer mit 18 Jahren unsäglich viel Geld alleine mit Fussball, als DJ, Partyveranstalter oder Rapper machen. Man ist 20, hat viel Geld, fährt einen Lambo - und all das hat mehr mit Künstler, Zufall oder Gangstertum zu tun, mit Improvisation und Show, als dass es einer konformen AkademikerInnen-Karriere entsprechen würde, basierend auf fundiertem und vollständig erarbeiteten Wissen. 

Das Thema Notbegabung und alles, was mit Resilienz aus der Kindheit und Not zu tun hat, kann zum Coachingthema werden, insofern es nicht per Therapie verarbeitet werden muss. Ziel ist es, aus dem Zustand der dauernden Improvisation und Gaukelei und den damit verbundenen Problemen und Alltagsdramen herauszukommen. Die fehlenden Anteile durch Elemente solider Fundamente austauschen. 

Die "Kunst" des Überbrückens. Wer sich wie "McGyver" mal aus der Misere zu retten weiss. Und wer mogelt, tüncht, poliert, operiert und mogelt, mogelt, mogelt, bis die Lebenslügen einbrechen.

Wer immer es schafft, dank Reflexion, Bereitschaft, Veränderung und Bemühen, sich echte Fundamente zu errichten, hat keine Krise mehr zu erwarten. Die Herausforderungen - sprich: Probleme - des Lebens werden dann zur Aufgabe - wer aber nicht kann und doch muss, wird das alles als Not (er)leben müssen.

Sie werden sehen, hinter dem Begriff 'Notbegabung' steckt mehr, als Sie im ersten Moment ahnen. Aus einem Minus, dem Defizit, wieder rauszufinden, sich zu bilden und zu entwickeln, sind meine Kompetenzbereiche für Coachings.

Ich freue mich, wenn ich Sie für Aspekte und Beispiele interessieren kann. Seien Sie herzlich willkommen.